Der Urlaubsgenuss-Karton

Aktualisiert: 11. Nov 2020

In Sachen Bag-in-Box ist die Weinwelt noch immer voller Missverständnisse und Vorurteile.

Kaum wird ein Wein in eine Flasche mit Schraubverschluss abgefüllt, trauen ihm viele Weintrinker keine Qualität mehr zu.

Noch schlimmer sieht es bei der Bag-in-Box-Verpackung aus: Ein Wein, der “en gros” abgefüllt wird, kann doch nicht gut sein!

Doch lässt in diesem Fall Quantität wirklich auf mindere Qualität schließen?


Zunächst eine kurze Erklärung, Bei der Bag-in-Box (BiB) handelt es sich um eine Verpackung, die aus einem mit Wein gefüllten Kunststoffschlauch besteht, der in einem Pappkarton liegt.

Durch einen am Schlauch befestigten Zapfhahn und eine Öffnung im Karton kommt der Wein dann ins Glas.

In Europa sind die häufigsten Füllmengen drei und fünf Liter.

Die sogenannte Doppelverpackung existiert für Flüssigkeiten schon seit der Antike – man denke an Trinkschläuche aus Ziegenhaut.

Davon inspiriert ließ der Australier Thomas Angove die Bag-in-Box für Weine 1965 als Patent eingetragen.

Zwei Jahre später entwickelte das bekannte australische Weingut Penfolds einen metallisierten Innenschlauch aus Kunststoff mit dem speziellen Zapfhahn.



Erst diese Kombination macht das wirklich attraktive Verpackungssystem aus:

Durch den Zapfhahn gelingt so gut wie kein Sauerstoff an den Wein und der metallisierte Schlauch sowie der Umkarton aus Pappe sorgen für eine optimale Temperaturstabilität. Insbesondere der geringe Sauerstoffkontakt birgt einen Vorteil:


Der Wein bleibt im Vergleich zu einer geöffneten Flasche deutlich länger trinkbar.


Zudem gehören Flaschen mit Korkschmecker der Vergangenheit an.

Wegen der australischen Wurzeln dieser Weinverpackung sind BiB deutlich länger im englischsprachigen Raum im Gebrauch, vor allem sind sie dort auch respektiert. Hierzulande, und in ganz Europa, werden BiB dagegen oft mit geringer Weinqualität gleichgesetzt.

Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, wie groß nach wie vor selbst die Vorurteile gegenüber Schraubverschlüssen sind.



Kulturwandel gefordert

Diese Vorurteile sollten uns nicht davon abhalten, der Bag-in-Box-Verpackung eine Chance zu geben.

Denn logisch betrachtet, lassen sich darin auch qualitativ hochwertige Weine abfüllen.


Die Verpackung lässt die Weine ja nicht schlecht werden. Lediglich sollte man Weine aufgrund des Kunststoffmaterials der Schläuche, nicht länger als 2 Jahre in einer BiB zu lagern.

Ein weiterer Tipp für alle Weinfreunde:

Den Wein aus der Bag-in-Box möglichst innerhalb von zwei Monaten konsumieren. Also auch kein Hinderungsgrund bei Weinen für den Alltagsgebrauch.

Zudem eignen sich Weine aus der BiB hervorragend für die Bewirtung vieler Personen und der Weiß- oder Roséwein auf der Terrasse bleibt besonders lange kühl.


In Sachen Umweltfreundlichkeit kann die Bag-in-Box übrigens ebenso punkten. Der innenliegende Kunststoffschlauch kann über das Duale System in Deutschland entsorgt und somit recycelt werden. Der Karton wandert einfach in den Papiermüll.



Trinkgenuss


Zuletzt möchte ich einen weiteren Punkt hervorheben, der aus Konsumentensicht einen geldwerten Vorteil bringt:

Bag-in-Box-Verpackungen sind im Vergleich zu Glasflaschen samt Korken deutlich günstiger in der Herstellung.

Das hat zur Folge, dass der Preis für Weine aus dem “Schlauch” vergleichsweise günstig ist. Das lasse ich mir bei gutem Wein in neuen Schläuchen allemal gefallen.



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